Spleißen von
Klebebändern

Warum das Spleißen von Klebebändern
über die Prozessstabilität entscheidet

Im Klebeband-Converting wird viel über Materialien gesprochen: über Klebstoffsysteme, Träger, Liner oder Mehrlagenaufbauten. Was dabei häufig unterschätzt wird, ist ein vergleichsweise kurzer Abschnitt im Prozess – der Rollenwechsel. Genauer gesagt: der Spleiß.

Dabei entscheidet genau dieser Übergang darüber, ob ein Prozess stabil durchläuft oder regelmäßig zum Stillstand kommt. Der Spleiß ist kein Detail am Rand, sondern ein zentraler Faktor für Serienfähigkeit und Prozesssicherheit.

Was bedeutet Spleißen im Klebeband-Converting?

Beim Spleißen werden zwei Klebebandbahnen miteinander verbunden, um eine kontinuierliche Verarbeitung zu ermöglichen.

Konkret heißt das: Eine Klebebandrolle läuft in der Maschine ab. Ist diese Rolle verbraucht, muss eine neue Rolle angesetzt werden, damit der Prozess nicht unterbrochen wird. Dazu wird das Ende der laufenden Rolle mit dem Anfang der neuen Rolle verbunden – dieser Übergang wird als Spleiß bezeichnet.

Typischerweise geschieht das beim Rollenwechsel, entweder im Stillstand oder während die Maschine weiterläuft.

Wichtig dabei: Der Spleiß ist kein Produktmerkmal, sondern ein prozesskritischer Übergang innerhalb der Fertigung. Er beeinflusst nicht das Endprodukt an sich, sehr wohl aber den Weg dorthin.

Ein nicht sauber ausgelegter Spleiß kann dazu führen, dass die Bahn reißt, die Maschine stoppt, Werkzeuge beschädigt werden oder Maßabweichungen und Ausschuss entstehen.

Grundlegende Spleißarten bei Klebebändern

Stoßspleiß

Beim Stoßspleiß werden zwei Materialenden ohne
Überlappung miteinander verbunden.

Vorteile

  • kein Dickenaufbau
  • geeignet für präzise Weiterverarbeitung

Nachteile

  • hohe Anforderungen an Ausrichtung und Klebkraft
  • begrenzte Prozesssicherheit bei hohen Zugkräften

Stoßspleiße eignen sich vor allem dort, wo 
Dickenänderungen kritisch sind.

Überlappspleiß

Beim Überlappspleiß überlappt das neue Material das alte, 
meist verbunden durch ein Spleißband.

Vorteile

  • hohe mechanische Stabilität
  • geeignet für hohe Geschwindigkeiten und Zugkräfte

Nachteile

  • zusätzlicher Dickenaufbau
  • kritisch bei engen Toleranzen oder empfindlichen Werkzeugen

Die Wahl zwischen Stoß- und Überlappspleiß ist immer 
eine prozessabhängige Entscheidung.

Womit wird im Klebeband-Converting gespleißt?

Spleißband

Die häufigste Variante. Spleißbänder sind spezielle doppelseitige Klebebänder mit:

  • sehr hoher Anfangsklebkraft
  • definierter Scherfestigkeit
  • meist dünnen, stabilen Trägern (z.B. PET)

Entscheidend ist dabei nicht nur die Haftung, sondern:

  • das Klebstoffsystem (Acryl, Kautschuk, Silikon)
  • das Temperatur- und Alterungsverhalten
  • die Kompatibilität mit dem zu verarbeitenden Klebeband
Liner-Spleiß

Hier erfolgt die Verbindung ausschließlich über den Abdeckliner, nicht über das Produkt selbst.

Vorteile

  • Produkt bleibt unbeeinflusst
  • keine Veränderung der Klebstoffseite

Einschränkungen

  • begrenzte Zugfestigkeit
  • nicht geeignet für hohe Geschwindigkeiten

Liner-Spleiße werden eingesetzt, wenn das Produkt selbst nicht beeinflusst werden darf.

Produktspleiß

Der Spleiß erfolgt direkt über das Klebebandprodukt.

Diese Variante ist möglich, aber kritisch und selten genutzt:

  • zusätzlicher Dickenaufbau
  • potenzielle Störung in der Weiterverarbeitung
  • häufig im Endprodukt nicht zulässig

Produktspleiße sind meist nur akzeptabel, wenn die Spleißstelle später sicher ausgeschleust wird.

Der Vorgang des Spleißen

Positionierung

Ein Spleiß ist unvermeidbar. Entscheidend ist jedoch, wo er im Prozess liegt.

Ein falsch positionierter Spleiß kann das Werkzeug beschädigen, Maßabweichungen verursachen und ungeplante Stillstände auslösen.

In der Praxis bedeutet das:

  • Platzierung außerhalb der Nutz- oder Stanzkontur
  • ausreichender Abstand zu sensiblen Prozessstationen
  • idealerweise definierte Ausschusszonen

Detektion

Damit ein Spleiß kontrolliert verarbeitet werden kann, muss er erkannt werden. Ziel der Detektion ist nicht, den Spleiß zu vermeiden, sondern ihn gezielt durch den Prozess zu führen.

Typische Methoden:

  • optische Marker oder Kennzeichnungen
  • definierte Spleißlängen
  • messbare Dicken- oder Materialunterschiede
  • festgelegte manuelle oder automatische Stopppunkte

Ein detektierter Spleiß ermöglicht es, rechtzeitig zu reagieren, bevor kritische Prozessschritte erreicht werden.

Typische Praxisfehler

Viele Spleißprobleme zeigen sich nicht sofort, sondern erst im Serienbetrieb:

  • falsches Spleißband
  • unzureichende Temperatur- oder Dauerbelastungstests
  • zu kurzer Überlapp
  • fehlende Berücksichtigung von Zug und Geschwindigkeit

Häufig liegt die Ursache nicht im Material, sondern im fehlenden Verständnis für das Zusammenspiel von Material und Prozess.

Fazit

Spleißen ist im Klebeband-Converting kein Nebenthema, sondern ein entscheidender Faktor für die Prozessstabilität und die Serienfähigkeit. Ein guter Spleiß zeichnet sich dadurch aus, dass er zuverlässig hält. Ein sehr guter Spleiß geht jedoch noch weiter: Er ist von Anfang an geplant, exakt positioniert und sicher detektiert.

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Vanessa Becker

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